Fluchtberichte aus Danzig-Neufahrwasser
Kloevermarken, den 24.1.46
Wer kennt Otto und Erna Müller aus der Weichselstraße 7?
Im Hause neben der Fischerschen Brauerei habe ich ein Kolonialwaren-Farben-Geschäft gehabt. Mein Vater war der Glockenmüller. Am Sonntag zu Montag, den 26.3.45, sind wir schweren Herzens aus unserer Wohnung gegangen. Über die Weichselmünder Fähre ging es mit Rucksack-Tornister-Fahrrad und „Struppi“. Unsere Häuser standen noch. Es gingen mit uns unser Hausmeister und langjähriger Mieter Emil Wruck und seine Tochter Lieschen Wruck. Im Weichselmünder Walde sind wir dann leider auseinander geraten, trotz Suchens nicht mehr gefunden. Wer weiß Näheres über die Beiden? Nachdem wir über Plehnendorf, Bohnsack-Nickelswalde bis Stutthof gekommen waren, lebten wir hier im Walde im Erdloch bei einer Fahreinheit, die uns liebenswürdigerweise auch verpflegte. Eines Morgens wurden wir von der Gendarmerie rausgeholt und bekamen den Bescheid, uns nach Nickelswalde zu begeben. Von hier wurden wir noch in derselben Nacht nach Hela und am anderen Tage (nach einer Bombennacht) mit dem H. K. „Orion“ nach Kopenhagen verschifft. Am 13. April 45 kamen wir gut im Hafen an. Die Schule Valby, Vigeslevalle 108, Lager 74, war bis zum 5.1.46 unsere 2. Heimat gewesen. Jetzt leben wir im Lager 130, Baracke 328.
Wer weiß Näheres über meine Schwester Frau G. Kohnke und Tochter Waltraut von Pichowski, Bergstraße 8, Kolonialwarengeschäft Ecke Berg- und Albrechtstraße oder John Bekusch, Bergstraße 14?
Adressen habe ich von folgenden aus Neufahrwasser!
Frau Gertrude Noetzel Weichselstraße
6
Faru Pehnke, Franziska Weichselstraße 7
Frau Kurse, geb. Pehnke Weichselstraße 7 sonst Elbing
Schüler
Heinz Runde Weichselstraße 7
Kloevermarken, 19. Febr. 1946
Hier meldet sich Frau Auguste Goebel, Neufahrwasser, Wilhelmplatz 5 II
Am 25. März 1945, morgens 8 Uhr, verließ ich meine Wohnung. Mein Mann brachte mich zur Weichselmünder Fähre. Er musste aber noch zurückbleiben, da er noch im Dienst stand. Mit mir kam noch Familie Frauendorf. Als wir an der Fähre waren, wurden wir noch von Tieffliegern beschossen und mussten in Deckung gehen. Als es vorüber war, begaben wir uns zur Fähre und fuhren rüber nach Weichselmünde. Als wir drüben waren, waren wieder Flieger über uns, und wir suchten Schutz in einem Privatbunker. Nachdem ging es weiter durch den Wald nach Heubude. Dort übernachteten wir in einem Wehrmachtsschuppen, wo Pferde untergebracht waren. Am Montag, dem 26., gingen wir in aller Frühe über Krakau nach Östlich-Neufähr. Dort machten wir Rast im Walde unter einem Treck. Mittags um 2 Uhr hatten wir einen sehr schweren Fliegerangriff. An verschiedenen Stellen schlugen die Bomben ein, und wir hatten mehrere Tote und Verwundete. Der Angriff dauerte mehrere Stunden. Wir übernachteten dann im Walde. Dienstag früh am 27. März, gingen wir zur Fähre und ließen uns übersetzen nach Westlich-Neufähr. Dort hatten wir einen furchtbaren Anblick. Es lagen dort tote Soldaten wie gesät. Das werde ich nie vergessen! Es dauerte nicht lange, und wir erlebten wieder einen Angriff, suchten Schutz in einem Bunker und blieben auch die Nacht von Dienstag zu Mittwoch dort.
Am Mittwoch früh, dem 28.März, brachte uns ein Schnellboot nach Hela. In Hela hatten wir mittags Fliegeralarm, abends wurden wir auf H 27 eingeschifft und lagen über Nacht auf See. Donnerstagabend um 7 Uhr ging unser Schiff in See mit Kurs auf Dänemark. Samstag, den 31. März, liefen wir in Kopenhagen ein und verbrachten die Osterfeiertage auf dem Schiff. Am 4. April kamen wir dann vom Schiff runter und fuhren mit der Eisenbahn nach Hollback. Dort wurden wir in einer Kaserne untergebracht, auf die einzelnen Zimmer verteilt und von der Wehrmacht verpflegt. Nun fand ich meine Schwägerin und kam am 29. Juni zu ihr ins Lager 54. Von dort kamen wir ins Lager 47 und am Silvester kamen wir nun nach Kloevermarken und wohnen in der Baracke 14 II. Meinen Mann habe ich durch die Suchaktion nicht finden können.
Ich suche: Franz Goebel, Neufahrwasser, Wilhelmplatz 5
Frau Auguste Goebel
Kloevermarken, Lager 130, Baracke 14 R 2
Hier schreibt Frau Christel Lieske mit Sohn Wolfgang-Ekhard und Mutter Frau Ida Sensler, Neufahrwasser, Paul-Beneke-Weg 12
Am Palmsonntag, dem 25. März, sind wir um 11 Uhr von zu Hause losgegangen. Es war ein richtiges Friedenswetter, und doch war die Hölle los. Tiefflieger sausten herüber, und die russische Artillerie schickte dauernd Grüße zu uns. Wir gingen nun noch mit anderen Verwandten zum Ballastkrug, um von dort mit einem kleinen Fahrzeug nach Plehnendorf zu fahren. In Plehnendorf waren die Tiefflieger auch sehr aktiv, und die Bomben fielen rings um unseren kleinen Schlepper. Am Abend des 25. März fuhren wir dann mit dem Schlepper „Hagen“ nach Hela. Von See aus haben wir dann unser schönes Neufahrwasser in hellen Flammen stehen sehen, das war ein furchtbarer Anblick. In Hela kamen wir dann des Nachts an, und es sah dort sehr trostlos für uns aus. Die national-sozialistische Fürsorge war hier besonders gut, es kümmerte sich nämlich niemand um die Flüchtlinge!
Am Montag, dem 25. März, wurden wir dann zur „Potsdam“ gebracht, und am Abend traten wir die große Reise nach Dänemark an. Unsere Überfahrt war gut, und am 29. 3. kamen wir in Kopenhagen an. Ostern am 2. Feiertag verließen wir das Schiff und kamen in das Lager 54. Inzwischen haben wir meinen Vater gefunden, der hier 4 Wochen später angekommen ist als wir. Jetzt wohnen wir in Kloevermarken, Baracke 14, wo wir uns ganz wohl fühlen.
Wir suchen: Frau Luise Lieske
Neufahrwasser, Wilhelmstraße 22
Die zuletzt in Schnakenburg gesehen worden ist.
Christel Lieske Baracke 14
Tagebuch der Flucht aus Neufahrwasser
Sonnabend, 24.3.45: Wochenendstimmung: Wo ist es sicher? Meine Quartiergäste (20 aus Ostpreußen) bringen infolge Artilleriebeschusses viel Zeit im L.S.-Keller zu. Die Fensterläden (Sasperstr. 10) sind auch tagsüber fest geschlossen. Sonst sind die Scheiben des Wartezimmers nach dem Garten zu größtenteils kaputt. Mit Brettern vernagelt. Es wagt keiner auf den Hof zu gehen, geschweige denn nach Brösen, wo am Überweg ein 17-jähriger Feigling hängen soll. Autofahrt nach Lauental wegen der Tiefflieger nicht ohne Gefahren. Auf den Straßen viele Soldaten. Fuhrwerke und Lastwagen sind auf den Bürgersteigen aufgefahren. Heute wurden die 4 toten Pferde aus des Pfarrers Garten – soweit noch vorhanden – abgeschleppt. Die Russen sollen in Schmierau sein. Seit gestern wieder Licht und Radio, aber keine Zeitung und beim Telefon nur Anruf möglich.
Sonntag, 25.3.45: Schreibe im Wartezimmer, dem einzigen hellen Raum in der Wohnung. Draußen strahlende Sonne, aber im Innern bei uns ist es trübe. Alles wartet auf das Ende mit Schrecken. Gestern war Großangriff auf Neufahrwasser mit Bomben und Artillerie. Ich ging zum Rettungskeller (im Gesellschaftshaus), große Überraschung! Sämtliche Schwestern getürmt, so dass wir drei Ärzte bis 22 Uhr allein ca. 25 Verwundete versorgen mussten. Nachts war Artilleriebeschuss. Heute früh kein Wasser. Meine Hofpumpe wird in Betrieb gesetzt und alle Behältnisse voll gepumpt. Erfuhr im Sanitätsunterstand vom Polizeileutnant den Ernst der Lage. Der Russe in Brösen! Viele flüchten über die Weichselmünder Fähre. Brachte mein Auto nach Weichselmünde. Abmarsch der Ostpreußen nachts um 2 Uhr, aber nur bis zur Fähre, wo ihre Trecks nicht hinüber durften, sie mussten alle 8 Fuhrwerke aufgeben und sich der Wehrmacht anschließen.
Montag, 26.3.45: Um 10 Uhr fand ich den Sanitätsunterstand auch von den Ärzten verlassen. Im Ort sah man noch einige Zivilpersonen, darunter auch Bäckermeister Nickel, wo ich noch ohne Marken ein Brot erstehen konnte. In meinem Haus war eine Wand eingedrückt. Die Bilder lagen fast sämtlich am Boden, ungeheure Mengen Glasscherben bedeckten die Möbel und Stühle, so dass man nirgends sitzen konnte. Ich bin dann über Weichselmünde nach Bohnsack gefahren, das ich erst am Abend erreichte, nur dauernd unter Fliegerbeschuss war. So gings dann weiter bis Schiewenhorst mit mehrtägigem Aufenthalt in der Mühle zu Wordel. Man war mehr unter als auf dem Wagen, wenn man fahren wollte. Über die Weichsel wurde ich nicht gelassen (ich wollte nach Pillau). Es herrschte schönes Frühlingswetter, so dass die großen Schwärme von Flüchtlingen, die auf Abtransport warteten, nicht in der Nacht zu sehr zu leiden hatten.
Am 2. April fuhr ich mit einem Marinefahrzeug von Schiewenhorst nach Hela und von dort mit „Renate“, einem dänischen Passagierschiff, nach Kopenhagen im Konvoi, wo man 2 Tage Schwimmweste anlegen musste. Ich bin dann als Lagerarzt in verschiedenen Lagern gewesen und jetzt in Kloevermarken 130. Meine Angehörigen sind in Hameln und Hamburg.
Dr. Paul Wobbe
Früher prakt. Arzt in Neufahrwasser, Sasperstr. 10
Wer weiß den Aufenthalt meiner Sprechstundenhilfe
Fräulein Klein, Kirchenstraße 13,
ebenso von meinen Einwohnern Familie Starbusch?
Hier schreibt Frau Minna Anders, Danzig-Neufahrwasser, Hedwigskirchstr. 8:
Nach dem schweren Angriff am Sonntag, dem 25. März 1945, verließen wir das brennende Neufahrwasser um 7 Uhr abends. Mein Sohn Heinz und Schwiegertochter Wally, geb. Kramer, kamen mit. Mein Mann Peter Anders kam nicht mit, denn er wollte mir nachkommen. Wir waren bald ums Leben gekommen, denn ein Volltreffer nach dem anderen gingen bei uns nieder. Der Luftschutzkeller hielt, aber wir waren bald erstickt. Bevor wir unseren Weg antraten, gingen wir noch auf die Suche nach meiner Tochter, Frau Paula Wahl, geb. Anders, Tochter und Schwiegersohn im Hause „Leuchtturm“, Olivaerstr. 46. Aber trostlos, wir kamen gar nicht durch, denn es brannte von der Sasperstr. Durch bis zur Olivaerstr. Ich habe meine Tochter bis heute nicht gefunden. So ging denn unser Weg über Weichselmünde. In Heubude machten wir kurze Rast bei Bekannten und ließen unser Gepäck dort, weil wir so erschöpft waren. Wir haben auch nichts mehr davon gesehen. Wir dachten, es am Montagmorgen noch zu holen, aber das Haus wurde auch getroffen. In Westlich-Neufähr bei meinen Verwandten um 1 Uhr nachts angelangt. Aber hier war auch die Hölle los. Mein Sohn und die Schwiegertochter mit drei Kindern fuhren am Dienstag mit der Wehrmacht nach Schiewenhorst, wo er gleich geschnappt wurde. Ich verblieb bis Karfreitag, dann ging es zur See mit Familie Schneider, und wir fuhren mit einer großen Fähre nach Hela. Um 9 Uhr morgens am 30. März langten wir an. Dann wurden wir auf das Lazarettschiff „Pretoria“ verladen. Am 1. April fuhren wir dann nach Dänemark. Neben uns fuhr das Schiff „Deutschland“. Aber zweimal Schwimmwesten anlegen, immer in Todesgefahr. Am 2. April glücklich angekommen. Verblieben 8 Tage auf dem Schiff bei guter Verpflegung. Dann fuhren wir mit Autobussen nach Lager 81, von dort am 20. April nach Lager 87 in Getoften und am 28. Dezember nach Kloevermarken, Baracke 11, Zimmer 6. Meinen Sohn habe ich vor kurzem in Wesermünde gefunden und seine Frau Wally befindet sich in Helrug.
Ich suche folgende Angehörige:
Meinen Mann Peter Anders, 70 Jahre
Meine Schwiegertochter Franziska Anders, geb. Blome, 38 Jahre alt
Drei Kinder: Ingrid, 13 Jahre; Jürgen, 10 Jahre; Dieter, 6 Jahre;
Danzig-Neufahrwasser,Wilhelmstr. 9
Richard Wahl, 40 Jahre; Paula Wahl, 40 Jahre, Olivaerstr. 46
Erika Wahl, 14 Jahre und Bruno Anders vermisst in Stalingrad
In der Nacht vom 26. – 27.3.45 verließ ich Neufahrwasser. Ich war die letzten 3 Tage im Hause von Dr. Neumann, Olivaerstr., weil ich von dort aus Gelegenheit hatte, mit einem Schiff fortzukommen. Soweit ich sehen konnte, war alles Dampf. Trümmerhaufen, tote Soldaten, Frauen und tote Kinder, alles ein wüstes Durcheinander. Am schrecklichsten jedoch war der Anblick, der sich uns am Hafen bot. Unweit des Lotsenturmes, lagen etwa 1000 verwundete Soldaten, auch Tote aufgeschichtet. Die Arie und Stalinorgel hatten aufgehört zu schießen, man hörte Hilferufe und das Röcheln der Sterbenden. Es wurde immer wieder „Wasser“ und „Schwester“ gerufen, aber es gab kein Wasser, auch war keine Schwester zu sehen, nur einige alte Frauen und Russen bemühten sich um die Verwundeten. Da hieß es, Frauen und Kinder möglichst ohne Gepäck auf einen Kutter, und so kamen wir nach Hela, von dort fuhren wir nach Kopenhagen.
Jenny Grosnick, Danzig-Neufahrwasser, Olivaerstr. 81a
Ich
suche meinen Mann Artur Grosnick, Tochter Irmgard Bäckmann, geb. Grosnick,
Rita Schmidtke,
10 Jahre alt, aus Danzig und Gertrud Scholla, Neufahrwasser
Albrechtstr.
Hier schreibt Frau Erika Dibbern, die frühere Drogeriebesitzerin aus Neufahrwasser, Olivaerstr. 68, nahe dem Markt. Auch ich wollte die Heimat und mein Grundstück nicht verlassen, bis ich dann auch schon unter größter Lebensgefahr Neufahrwasser am Montagabend (26. März 1945) um 9 ½ Uhr verlassen musste. Und zwar nur mit Luftschutzkellergepäck aus dem Luftschutzkeller im Zollhaus, da in meinem Grundstück für alle Einwohner ein so großer Luftschutzkeller nicht vorhanden war. Meine verheiratete Tochter Wera Schmidtke, mit ihrem 1 ½ Jahre alten Töchterchen Christa, die in Oliva ihre eigene Wohnung hatte, habe ich zugeraten schon vier Wochen früher abzureisen. Sie befindet sich wohlbehalten in Schwarzenbeck bei Hamburg. Meine andere Tochter Ina verließ mit ihrem Verlobten, einen Sanitäter, am selben Tage Neufahrwasser und ist auch gesund in Dänemark (Aalborg) gelandet. Mich traf ein besonders tragisches Geschick! Ich stand drei Tage vor meiner Hochzeit. Am 29.3.45 sollte unsere standesamtliche Trauung stattfinden. Doch ich musste schon am 26.3.45 in Begleitung meines Verlobten, Herrn Kapitän James Gerwien, und unserer Hausgenossin Frl. Anastasia Schienschetzki, den Luftschutzkeller im Zollhaus wegen drohender Einsturzgefahr verlassen. Auch sämtliche anderen Einwohner aus dem Zollhaus verließen fluchtartig den Luftschutzkeller. – Ohne auch nur einen Fuß auf meinem Grundstück gesetzt zu haben, ging es vorbei an meinem Haus nach Weichselmünde. Hinweg über tote Pferde die in den Straßen herumlagen! Auch konnten wir uns nicht mal von Herrn Gerwiens Tochter, Frau Hilde Schrödter, mehr verabschieden, die mit ihren drei Kindern und Tante Schealen (Schwester von Kapt. Gerwien) in ihrem Haus geblieben war. Fast halb Neufahrwasser brannte schon an allen Ecken und Enden! – Wir gingen in der Annahme bis nach Heubude zu pilgern, mit unserem wenigen Gepäck weiter. Glaubten doch am anderen Tage wieder zurück nach Neufahrwasser in unsere Grundstücke gehen zu können! Aber weit gefehlt!! Unser Weg führte uns über Groß-Zünder, Schiewenhorst, bis hier nach Kopenhagen. Unter den größten Strapazen und Lebensgefahren. Hier landeten wir am 18. April 45 und wurden in der Raadmandsgade in einer Tennishalle mit 360 andren Flüchtlingen untergebracht. Angekommen sind wir mit dem Schiff „Kronenfels“. Auch bei dieser Fahrt sahen wir jede Minute unseren Tod vor Augen! – Allmählich hatte man sich von allen Schrecknissen erholt und uns mit unserem Schicksal so ziemlich abgefunden. Da musste ich noch das Schwerste mitmachen! Am 3. Juni 1945 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit mein lieber Verlobter, Herr Kapitän James Gerwien, an den Folgen einer Lungenentzündung und Herzmuskelschwäche im Krankenhaus Kopenhagen, Strandboulevarden. Leider musste ich ihn hier in fremder Erde betten. Von seiner Tochter Hildchen habe ich inzwischen nun auch Nachricht erhalten. Meine beiden Töchter, Großkind und Schwiegersöhne leben!
Nun habe ich nur den einen Wunsch, zurück in die Heimat!
Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit meinen Lieben hält mich nur noch aufrecht!
Frau Erika Dibbern geb. Leitholf
z.Z. Kloevermarken Baracke 326, Bezirk 4 Lager 130 Lgr. Nr. 84
Kloevermarken, den 18.2.46
Hier schreibt Frau Gertrud Henke mit Tochter Erika, Neufahrwasser, Wilhelmstr. 55 II.
Nach dem schweren Luftangriff am Palmsonntag, den 25.3.45, schickte uns ein befreundeter Soldat Nachricht, dass sie Neufahrwasser verlassen und uns mitnehmen würden. Neben uns, Wilhelmstr. Nr. 53, hatte 2 Volltreffer erhalten und auch in unserem Hause sah es schon wüst aus. Vor uns auf dem Ertelplatz erfolgte eine Explosion nach der anderen. Die Olivaerstr. war ein Flammenmeer. Mein Mann riet uns zur Abreise, half uns beim Einpacken und brachte uns bis an die Ecke Wilhelmstr. Er selbst glaubte Danzig noch nicht verlassen zu dürfen. Wir gingen zuerst zum Fischmeisterweg, dann über Brösener-Bahnhof zum Lotsenberg, wo eine Fähre und drei Frachtkähne bereitstanden. Die Straßen waren voll von Militär, die Kaserne, der Freihafen und die Bahnhofsapotheke standen in hellen Flammen. Der erste Kahn, wo wir uns aufgestellt hatten, konnte uns schon nicht mehr aufnehmen, so mussten wir noch ein Stück zurück und fanden auf der Fähre „Steegen“ Platz. Bei hellem Mondenschein und Sternennhimmel legten wir die Fahrt zurück. Unterwegs hörten wir noch hin und wieder einen Flieger und passierten verschiedene Kriegsschiffe. Die Nacht verbrachten wir auf der Fähre. In Hela hatten wir am nächsten Morgen 2 x Fliegeralarm, dann wurden wir auf die „Potsdam“ übernommen. Montagabend gegen 19 Uhr liefen wir aus mit Kurs Dänemark. Am Gründonnerstag (29. März 45) gegen Mittag sind wir in Kopenhagen eingelaufen. Einige Male hatten wir unterwegs Fliegeralarm und teilweise starken Nebel. Am Karfreitagnachmittag verließ die Wehrmacht, der wir uns angeschlossen hatten, die „Potsdam“. Uns ließ man aber nicht mit herunter um wieder nach Deutschland zu gelangen. Am Freitagabend erlitt meine Tochter plötzlich einen Nervenzusammenbruch und wurde am Sonnabend ins Krankenhaus eingeliefert. Ich kam am Ostersonntagabend in das Lager Nr. 53 Kirkel. Skole, Vanlöse, wohin ich auch meine Tochter nach ihrer Genesung holte. Am 6. 12. 45 verließen wir das Lager Nr. 53 und wohnen jetzt Kloevermarken, Baracke Nr. 116. Meinen Mann, Walter Henke, habe ich durch die Suchaktion nicht finden können. Nach Ostern ist er noch in Steegen und Pasewalk gesehen worden.
Wir suchen: Walter Henke, Neufahrwasser, Wilhelmstr. 51 II
Julius Kuffel u. Frau Neufahrwasser, Fischerstr. 7
Luise u. Harald Teichmann Neufahrwasser, Bergstr. 11 c I.
Gertrud Henke u. Erika Baracke 116
Kopenhagen, den 26.7.46
Nun schreibt Frau Minna Müller, geb. Didszuhn aus Danzig-Neufahrwasser, Wilhelmstr. 49
Am 24.3.45, während des Fliegerangriffs, kam mein Mann uns holen. Wir befanden uns gerade im Keller, der von Flüchtlingen und Soldaten überfüllt war. Der Tanker, auf den mein Mann uns brachte, lag auf der Reede. Am 27.3.45 wurde unser Schiff vor Hela bombardiert. Mein Mann und mein Sohn wurden schwer verwundet und sollten nach Hela zurückgebracht werden. Bis heute fehlt jede Spur von beiden. Wir andern wurden auf verschiedene Schiffe verteilt. Dadurch kam ich auch mit meiner Nichte auseinander. Vor kurzem habe ich von ihr Nachricht aus dem Reich erhalten. So blieb ich mit meiner Mutter Frau Emma Didszuhn, Witwe des Pol. Sekr. August D., aus der Abeggstiftung Wilhelmstr., alleine übrig. Bei dem Umtransport auf verschiedenen Schiffen bin ich auch mein ganzes Gepäck, sogar meine Handtasche losgeworden. Man brachte uns auf die „Bornhofen“. Fast hätte die Bornhofen auch bei einem der nächsten Fliegerangriffe etwas abbekommen, aber Gott sei Dank ging die Bombe dicht neben dem Schiff nieder. Am 31.3.45 kamen wir dann in Kopenhagen an und wurden nach 1 ½ Tagen von der „Monte Rosa“ übernommen. Was es heißt nach dem furchtbaren Erlebnis auch noch ohne Mantel, ohne ein Stück Brot usw. dazustehen, kann sich wohl jeder vorstellen. Am 2.4.45 brachte man uns dann in die Emdrupschule (Lager 55). Von hier aus kamen wir am 28.8.45 zur Hillerodegade (Lager 47) und am 31.12.45 landeten wir in Kloevermarken, Bezirk III, Baracke 288.
Minna Müller geb. Didszuhn
Wir suchen meinen Mann und Sohn
Paul Müller geb. 16.11.92
Bodo Müller geb. 12.2.29 aus Neufahrwasser, Wilhelmstr. 49
Meinen Bruder Waldemar Didszuhn geb. 17.12.97
Und dessen Frau Gertrud geb. Laskowski
geb. 25.10.99 aus Dzg.-Neufahrwasser, Wilhelmstr. 56
Ferner
hätte ich gerne über den Verbleib meines Nachbarn Gustav Streichert und
dessen Ehefrau Frida geb.
Bielefeldt etwas gewusst, letzte Wohnung,
Neufahrwasser, Wilhelmstr. 49
Dänemark, 2.7.46
Hallo! Hallo! Hier ist der dänische Sender Kloevermarken!
Ich grüße euch alle ihr Neufahrwasseraner. Meine Flucht trat ich mit meiner Tochter Inge am 25. März 45 früh bei sehr schönem Wetter unter beständigem Beschuss an. Mein Mann der uns bis zur Weichselmünder Fähre brachte, um uns von da aus auf ein Schiff, das an der Breitenbachbrücke lag, verfrachten wollte, haben wir verloren, d.h. wir sind auseinander gekommen. Wegen des großen Andranges musste er mit seinem Wagen und Kutscher mit dem ganzen Gepäck die Fahrt über Danzig antreten. Danzig brannte lichterloh. Wir gingen dann zu einer Familie Schwarz aus Heubude. Von Heubude konnten wir am Montag sehen, wie Danzig und Neufahrwasser brannten. Sonntag, Montag und Dienstag übernachteten wir in Heubude. Wir machten noch den furchtbaren Angriff auf Heubude mit; hier war die Hölle los, nur ein Flammenmeer. Glücklich zogen wir mit der Familie Schwarz, zwei Kinder und Mutter von Fr. Schulz, Weichselstr. 12, früh morgens um drei Uhr los und traten den Weg zu Fuß nach Pasewalk an, stets unter Beschuss. Ostern verlebten wir in Pasewalk. Dann ging es wieder weiter immer zu Fuß bis Steegen. Dort verblieben wir 14 Tage. Wieder ging es vorwärts. Tiefflieger begleiteten uns; es hieß nur immer in Deckung gehen. In Nickelswalde wurden wir auf See (Hela) verschifft. Zwei große Truppentransporter standen für uns bereit. Wir wurden auf die „Orion“ verladen (vom Prahm aus). Es ging alles ganz gut, keine Flieger. Es war ein schöner Morgen gegen 6 Uhr. Mittags 3 Uhr begrüßten uns 6 Feindflieger, 2 davon wurden unter Jubel abgeschossen. Es dauerte aber nicht lange, denn abends 7 Uhr kamen sie jedoch verstärkt mit 46 Flieger an. Wir dachten, dass nun unser letztes Stündlein geschlagen hätte, aber nein! Dicht an unserer Bordkante sausten die Bomben herunter. Viele Schiffe wurden getroffen und sanken, denn wir waren im Geleit. Aber wir landeten bei schönem Wetter (Sonnenschein) hier in Dänemark. Von meinem Mann weiß ich bis heute noch nichts und dadurch sind wir auch unser ganzes Gepäck verloren gegangen.
Nun grüße ich Euch alle Ihr Lieben aus unserer schönen Heimat Danzig und Neufahrwasser.
Frau Helene Lindenberg geb. Senger
und Tochter Inge
Danzig-Neufahrwasser, Weichselstr. 12
(Nebenhaus Seffert)
Es schreibt Frau Frieda Matusch, Danzig-Neufahrwasser, Wilhelmstr. 13 I, Eingang Seemannstraße.
Man wird mich auch noch kennen, viele Neufahrwasseraner die im Hafen zu tun hatten, wie ich. Ich hatte die Gaststätte „Zur Holmfähre“ in Schellmühl, zwischen Danzig und Neufahrwasser. Ich hatte nicht die Absicht meine Heimat zu verlassen, aber nun danke ich dem lieben Herrgott, dass ich schon am 23. März rausgegangen bin, wenn ich lese, was die anderen Flüchtlinge durchmachen mussten! Am 23. März bekam ich 15 Mann Einquartierung. Ich wusste nicht wo ich die Leute unterbringen sollte. Ich wurde auch ordentlich angeschrieen. Es ist egal, auch wenn sie wie die Heringe liegen, aufnehmen müssen sie die Soldaten, sonst! – Weigerte man sich, dann hieß es Sabotage. Ich bekam es mit der Angst zu tun und da kam Lottchen Littschwager mir zur Rettung. In einer Stunde geht der Dampfer und Tante Frieda wurde ich genannt. Ich musste mit, denn die Soldaten jagen uns nachher doch raus. Ich wollte so gerne bleiben und habe immer gezögert; aber jetzt war mir so, als ergriff jemand meine Hand und führte mich raus. Ich bereue es nicht getan zu haben! Zum Packen blieb mir nun nicht viel Zeit. So habe ich nur das mit, was ich immer im Koffer mitnahm, wenn ich zum Wochenende zur Freundin nach Putzig fuhr. – Also fuhren wir am 23. März 45, um 15 Uhr, mit einem Hafenpolizeiboot von Neufahrwasser zur Waggonfabrik in Schellmühl, wurden dort verladen und um 19 Uhr ging es los. Uns umkreisten wohl Flieger, aber warfen nichts ab. Unsere Fahrt ging bei herrlichem Wetter mit der „Mars“, Bremen. Wir haben Glück gehabt, denn ein Torpedogeschoß ging an dem Schiff vorbei, wie uns der Kapitän erzählte. Er sagte uns auch, dass der Russe ein Funkspruch aufgegeben hat, dass die „Mars“ mit Mann und Maus untergegangen sei. Wir wussten gar nicht wo die Fahrt hinging und waren ganz erstaunt, als es hieß, wir hätten Kurs auf Dänemark. Es sollte aber nach Deutschland gehen! Am 25. März wurden wir ausgeladen. Ein Teil nach Jütland und ein Teil nach Kopenhagen in die Metropolitanscole Struenseegade 50, Lager 35. Wir hatten es dort sehr gut. Am Sylvester wurde ich mit Scharlach und Diphtherie ins Krankenhaus eingeliefert. Inzwischen kam mein Lager 35 nach Jütland. Ich musste leider zurückbleiben und kam nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus hier nach Kloevermarken, Baracke 675, Lager 130.
Frau Frieda Matusch
Danzig-Neufahrwasser, Wilhelmstr. 13 I
Ich suche meine Cousine Paula (Kohlhoff) Tetzlaff, Eintrachtstr. 7
Kopenhagen, den 2.7.46
Hier schreibt Frau Marta Nagel aus Danzig-Neufahrwasser, Wilhelmplatz 12
Am Montag, den 16. März 1945 nachmittags 4 Uhr kam mein Vater uns aus unserem Luftschutzkeller holen. Wir sollten nach Weichselmünde im Festungsbunker kommen, weil es dort für uns sicherer war und wir alle gerne zusammen sein wollten, falls uns das Schwerste zutreffen sollte. In dem Bunker waren wir mit vielen Soldaten und Flüchtlingen zusammen. Am Abend sagten uns die Soldaten, dass der Russe morgen schon in Neufahrwasser sein könnte. Da bekamen wir Angst. Und so gingen wir, meine Schwester Frau Gerda Richter und ich, zusammen mit 7 Kindern ohne jegliches Gepäck einfach los, da wir mit unseren kleinen Kindern doch nichts mehr tragen konnten. Außerdem war mein Gepäck und alles im Luftschutzkeller in Neufahrwasser geblieben. Meine Eltern und meine Schwester Ella kamen leider nicht mit, weil meine Mutter sehr herzleidend war und befürchtete, doch unterwegs liegen zu bleiben. So pilgerten wir immer unter tollsten und schwersten Fliegerangriffen und Ariebeschuß am Strande entlang. Wir kamen sehr langsam vorwärts, weil es oft nicht möglich war zu gehen. Meistens in Erdlöcher immer Deckung suchen. So kamen wir über Krakau nach Neufähr, wollten immer weiter bis Pillau. Wir waren auch schon bis fast vor Pillau, als uns Soldaten warnten, nicht weiter zu gehen, da es zwecklos wäre. Wir sollten lieber zurück nach Neufähr im Walde in den Bunkern gehen. Nun waren inzwischen schon 5 Tage vergangen seit unserer Flucht. Hatten immer Tod und Verderben um uns gesehen. Wir glaubten selbst nicht mehr an ein Überleben aus dieser Hölle. Am Freitagabend mussten wir dann aus den Bunkern heraus und kamen auf einen Prahm, der uns bis Hela fuhr. Dort wurden wir auf ein Kriegsschiff übernommen. In Hela mussten wir wieder über auf die „Mars“-Bremen. Dann fuhren wir noch einmal nach Pillau um noch mehr Flüchtlinge zu holen. Von dort wieder nach Hela und im Geleit nach Kopenhagen, wo wir am 3. April ankamen. Hier wurden wir im Lager 76 Natalie-Zahlesweg 2 untergebracht. Dort waren alle 7 Kinder todkrank, wurden nach fast 2 Monaten wieder gesund. Bis auf meine kleine Christa, die mir am 25. April, 5 Tage vor ihrem einjährigen Geburtstag, hier in Kopenhagen im Krankenhaus verstorben ist.
Im September kamen wir in die Amager-Schule Sundholmweg 2. Im März kamen wir
hier nach Kloevermarken. Sind im Bezirk 6, Baracke 565. Viele Grüße an alle
Neufahrwasseraner und auf ein Wiedersehen in unsere schöne Heimat.
Frau Marta Nagel, geb. Redder und 3 Kinder
Giesela, Ingrid und Karin
Und
Schwester Frau Gerda Richter, geb. Redder mit 3 Kindern,
Ursula, Helmut und Sigrid
Meinen Mann Kurt Nagel, geb. 10.12.03 (Briefträger in Neufahrwasser) habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.
Kloevermarken, den 27.1.46
Hier ruft Frau Anna Kuhr und Töchter Christel und Elsa, Hedwigskirchstraße 11a, allen Neufahrwasseranern ein herzliches „Grüß Gott“ zu.
Wir sind am 25. März (Palmsonntag) abends um 11 Uhr aus Neufahrwasser mit der Wehrmacht gefahren. In meinem Haus war die Feldpost untergebracht. Doch bei dem Höllenfeuer auf Neufahrwasser, packte auch diese ihre Bündel und nahm uns mit. Zunächst ging es unter aufregenden Kreuzfahrten nach Heubude-Krakau. Dort wurden wir abgesetzt, da der Transport dort bleiben musste. Wir hatten gar nicht die Absicht Danzig zu verlassen, wir wollten nur nach Bohnsack, wo meine Schwiegertochter wohnte, um bald wieder nach Hause zurückzukehren. Es kam anders! – In Bohnsack trafen wir, dauernd unter Fliegerbeschuß, und ständigem Springen in Gräben oder Löcher, nachmittags 4 Uhr ein. Meine Schwiegertochter war auch nicht zu Hause. Ein wahnsinniger Bombenhagel trieb uns nun weiter. So kamen wir nach Schiewenhorst und dort erwartete uns ein gleicher Fliegergruß. Es waren zwei Tage vergangen, wir hatten noch nichts gegessen. Immerwährender Beschuss und Deckung nehmen hatte jeden Hunger genommen. Endlich nahm uns wieder ein Wehrmachtauto mit und fuhr uns nach Neutief. Von dort ging es am 2. Osterfeiertag nach Pillau und von dort per Schiff nach Hela. In Hela wurden wir auf die R.O.I verladen und trafen dann, Gott sei Dank, wohlbehalten hier in Kopenhagen ein. Im Lager 84, Frommingensgade, fanden wir Aufnahme bis zum 5.1.46. Von diesem Zeitpunkt sind wir hier im Lager 130, Baracke 438.
Wer kann uns Nachricht geben über:
Paul
Posanski, Neufahrwasser, Ertelweg ? (Bücherrevisor)
Walter Niedner und Frau, Neufahrwasser, Ertelweg ? ( Postbeamter)
Josef Meyer und Frau, Neufahrwasser, Bergstr. 22 (Spediteur)
Rudolf
Gudernatsik, Neufahrwasser, Schleusenstr. ? (Prokurist)
Baurat W. Schmidt, Neufahrwasser, Hafenstr. 1
Waldemar Bahr, Neufahrwasser, Fischerstr. (Friseur)
Frl. Weichbrodt, Neufahrwasser, Wolterstr. (Hauseigentümerin)
Kobenhavn, d. 19.3.46
Am 1. April 1945 nahmen russische Truppen Weichselmünde ein und am 4. mussten wir wieder räumen auf ca. 10-14 Tagen nach Danzig, weil deutsche Wehrmacht von Bohnsack aus Weichselmünde angriff. Hierbei gab es noch Tote und Verwundete unter der deutschen Zivilbevölkerung. Nach 14 Tagen konnten wir wieder zurück nach Weichselmünde. Es standen noch ca. 1/3 Häuser, Neu Hela war bis auf 3 Häuser stehen geblieben und zwar waren die Häuser von Kosch und Schröttke, sowie der Kindergarten abgebrannt. Da hieß es, dass alle Deutsche das Gebiet der Stadt Danzig verlassen sollten, um westlich der Oder angesiedelt zu werden. Mit allem Gepäck das wir tragen konnten, musste Danzig verlassen werden. Von den Polen wurde aber alles Gepäck geraubt. Um diese zu entgehen, haben wir die Reise mit einem offenen Boot gemacht. Am 9. August 1945 verließen wir den Weichselmünder Strand. Wegen ungünstigen Wind kamen wir nicht um Hela. Donnerstag früh kamen wir um Hela, gegen Abend hatten wir Rixhöft Kurs Schweden. Sonntag den 12. in Schweden, Montag von Schweden Kurs Dänemark. Am 16. auf See aufgegriffen und nach Klintholm gebracht. Von Klintholm ins Flüchtlingslager Kolvehave gebracht. Am 5. Januar 1946 nach Nestved. 5. März nach Kloevermarken.
Friedrich Bremert, Landwirt
Früher Danzig-Weichselmünde, Neu Hela 27
Kloevermarken, 13.7.47
Am Ostersonntag 1.4.45 wurde Weichselmünde von den Russen besetzt. Wir durften zurück in unsere Wohnung, die zum Glück noch stand. Das Dorf war bis auf ein paar Häuser abgebrannt. Es stand nur noch die Siedlung Neu Hela. Hier angekommen wurden alle Männer bis zu 55 Jahren von den Russen in Zivilgefangenschaft genommen und nach Langfuhr gebracht. Am nächsten Tag ging es nach Zoppot. Hier saßen wir 8 Tage in einem Keller eingesperrt. Am 9. Tag ging es zurück nach Danzig. Im Gefängnis fanden wir Obdach. Am nächsten Tag sollte es von hier nach Graudenz gehen. Es gelang mir anderntags von hier zu entkommen. Von meiner Familie wusste ich nichts. Ich kam ungehindert bis nach Weichselmünde. Das Dorf war geräumt. Am selben Abend wurde ich wieder festgenommen. Nach 9tägiger Gefangenschaft sollte ich nach Russland verschleppt werden. Es gelang mir aber in letzter Minute zu entkommen. Am Abend befand ich mich auf der Suche nach meiner Familie. Ich befand mich gerade auf dem Hansaplatz, als ich zum 3. Mal aufgegriffen wurde. Da die Russen ihre Gefangenen alle rausgeschleppt hatten, kam ich jetzt in polnische Gefangenschaft. Eine Stunde später befand ich mich wieder im Gefängnis.
Nach 14 Tage erfuhr ich den Aufenthalt meiner Familie. Am selben Tag gelang mir zum 4. Mal die Flucht. Ich konnte mich jetzt auf der russischen und polnischen Behörde anmelden. Der Krieg war noch nicht zu Ende. Um täglich einmal Essen zu erhalten, mussten wir Aufräumungsarbeiten verrichten.
Am 12. Mai durfte ich wieder meinen Fischereiberuf ausüben. Wir fischten jetzt für die Russen. Am 8. August 1945 wurden wir aus Danzig ausgewiesen. Wir verließen am 9. August Weichselmünde mit dem offenen Fischerboot. Am 13. waren wir in Schweden. Verließen Schweden am 14. mit Kurs auf Travemünde. Auf der Höhe der Insel Moen wurden wir von einem dänischen Motorkutter aufgegriffen und nach Dänemark gebracht. Das Boot sowie unsere Sachen wurden beschlagnahmt und wir nach einem Flüchtlingslager gebracht.
Hier sitzen wir jetzt ein Jahr und 11 Monate. Am Mittwoch, den 15.7. fahren wir mit einem Wehrmachtstransport nach Deutschland.
Unsere Adresse lautet:
Gokels
Post Hanerau, Kreis Rendsburg b. J. Bluhm, Schleswig-Holstein
Hermann Wedel
Margarete Wedel
und Hermann jun.
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